Gartentulpe

Tulipa gesneriana · auch: Tulpe, Garten-

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Beschreibung

Mit ihrer starken, offenen Präsenz nach einer winterlichen Zeit der Dunkelheit erobern die Tulpen seit Jahrhunderten die Herzen der Menschen. Kein Wunder, dass sie als Symbol der Lebensfreude gelten!

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Portrait

URSPRUNG und VERBREITUNG der GARTENTULPE

Schon vor 1000 Jahren zierten edle Zuchtformen der asiatischen Wildtulpen die Gärten des persischen Adels.
Von diesem übernahmen die Osmanen (Türken) die Tulpen-Kultivierung, schmückten ihre Paläste damit und feierten jedes Jahr im Frühling ein großes, zauberhaftes Tulpenfest, besonders unter Süleyman I., dem Prächtigen. Zum Abschluss von Waffenstillstandsverhandlungen zwischen ihm und dem römisch-deutschen König Ferdinand I. erhielt dessen Gesandter Ogier Ghislain de Busbecq, der die Verhandlungen führte, neben einigen Fliederpflänzchen ein paar Hyazinthen- und Tulpenzwiebeln, die ersten für Europa! All dies bringt Busbecq getreu nach Hause an den Wiener Hof, dessen Gärten 10 Jahre später unter der Regentschaft von Maximilian II. (Ferdinands Sohn)  sein Freund, der umtriebige Hofbotaniker Carolus Clusius betreute.
 

Von Wien aus traten die Tulpen ihren weltweiten Triumph an,  denn als Clusius unter dem nächsten Kaiser wegen seines protestantischen Glaubens den Wiener Hof verlassen musste und über Zwischenstationen in Leiden, Holland, ankam, hatte er natürlich … einige Tulpenzwiebeln und –samen mit im Gepäck! Er pflanzte sie in dem von ihm in Leiden angelegten Hortus Botanicus und züchtete sie systematisch weiter.
Wie bereits in Wien entwickelte sich Clusius in Leiden zu einem Motor im Netzwerk der „liefhebbers“, der Blumenliebhaber. Diese waren durch ihren gehobenen gesellschaftlichen Rang, ihre humanistische Bildung und ihre Wertschätzung für Pflanzen miteinander verbunden.
Tulpen dieser Zeit wurden sehr geschätzt: Sie waren neu, exotisch, exklusiv, dekorativ und anspruchsvoll. Sie wurden bewundert, verschenkt, gesammelt, getauscht, gezüchtet und auch gestohlen. Später, nach Clusius Tod, auch verkauft und einige Jahrzehnte lang als hochdotierte Spekulationsobjekte gehandelt (Tulpomanie). Tulpen mit eigenartigen Flammungen, die selten zu haben waren, da ihre Züchtung damals noch nicht gesteuert werden konnte, erreichten astronomische Summen, bis sich nach dem Börsenkrach 1637 der Handelswert von Tulpen wieder normalisierte.


Clusius legte mit den 600 Tulpenzwiebeln, die er, obwohl ihm über 100 entwendet worden waren, nach aufwändigen und ausgeklügelten Kreuzungen und Aussaatversuchen in seinem Hortus Botanicus hinterließ, den Grundstein für den die gemäßigte Klimazone weltumspannenden holländischen Blumenzwiebelhandel … und natürlich trägt auch eine Tulpenart seinen Namen: die ätherische Damentulpe wird botanisch als  Tulipa clusiana bezeichnet! 

 

 WUCHSBEDINGUNGEN und VERMEHRUNG der TULPEN

Tulpen sind großartige Zierpflanzen, die sowohl als Gartenpflanzen als auch als Schnittblumen verwendet werden. Sie werden stets in Gruppen auf sonnigen bis halbschattigen Standorten in Rabatten, Beeten, unter Laubbäumen und am sonnigen Heckenrand gepflanzt , evtl. gemischt mit zeitgleich blühenden niedrigeren Blumen wie Anemonen, Stiefmütterchen, Traubenhyazinthen, Vergissmeinnicht. 

Manche, besonders frostfeste Sorten eignen sich auch für die Kübelkultur und Balkongärtnerei, dabei geräumige Gefäße mit Abzugsloch nehmen, an einem windstillen Ort im Freien überwintern, an frostfreien Tagen für Feuchtigkeit sorgen. Fündig wird man für diesen Zweck besonders unter den Botanischen Tulpen!


 Gartentulpen schätzen

  • nährstoffreiche, durchlässige, pH-neutrale Böden (6,5 bis 7,0 ). Um dies zu erreichen, den Boden vor der Zwiebelpflanzung lockern und oberflächlich mit Lauberde oder Düngetorf mischen. 
  • Sie gedeihen gut und blühen lang im gemäßigten Klima Mitteleuropas: Im Frühjahr Feuchtigkeit, im Sommer sonnige und trockene Lagen, kühle Nächte, kalte Winter. Tulpenzwiebeln benötigen zur Blütenbildung die Kühlphase des Winters bzw. künstliche Kühlung.
  • Hochgezüchtete Tulpen möchten jährlich in neuen, gedüngten Boden gepflanzt werden. Dazu nimmt man sie, sobald die Laubblätter vergilben, aus dem Boden, lässt sie an einem warmen, schattigen Ort abtrocknen und pflanzt sie Oktober, November an neuer Stelle ein, solange der Boden offen ist und den Zwiebeln genügend Zeit zum Einwurzeln verbleibt. 
  • Tulpenzwiebel schätzen einen Schutz aus Gittergeflecht vor Wühlmäusen: Gitter um die Zwiebel wickeln, nur ihre Spitze, aus der sich der Stängel schieben wird, frei lassen. 

Tulpen können über Samen oder über Tochterzwiebeln vermehrt werden.

  • Während des Sommers wachsen an der Mutterzwiebel Tochterzwiebeln heran, die im Frühherbst ausgegraben und abgetrennt werden. Sie werden vor dem ersten Bodenfrost bei einer Bodentemperatur von ca. 10° neu gepflanzt und bilden im kommenden Jahr größere Zwiebeln, die bestenfalls bereits im Jahr darauf blühen.
  • Die Gewinnung von blühfähigen Zwiebeln aus Samen ist wesentlich langwieriger. Das kann zwischen 3 und 7 Jahre dauern. Zudem besitzen die aus Samen gezogenen Pflanzen andere Eigenschaften als die Ausgangssorte, was für die Weiterzucht ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein kann. Spannend ist es auf alle Fälle!

Über 80 % der Welt-Tulpenproduktion stammt aus den Niederlanden. Von ihren über 9500 Hektar Anbauflächen entfallen über 90 % auf Tulipa gesneriana (Gartentulpen), der Rest vorwiegend auf Botanische Tulpen, ein geringer Prozentsatz auf die Wildformen, die Wildtulpen


 ESSBARKEIT und GIFTGEHALT von TULPEN 

Die Holländer sind nicht nur bis heute führend in der Tulpenzüchtung und –zwiebelproduktion samt Handel, sondern können uns - notgedrungen - auch Genaues über die Essbarkeit von Tulpenzwiebeln sagen: Der Hungerwinter 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkrieges brachte die Menschen dazu, Pflanzen zu essen, die vorher nie als Nahrung betrachtet worden waren: Bereits gepflanzte, giftige Tulpenzwiebeln! Ini P.: „Sie wurden nicht roh, sondern in viel Wasser gekocht verspeist, das Kochwasser wurde weggeschüttet. Viele Menschen konnten dadurch überleben.“
Man findet darüber nicht viel im Internet, aber Silke Wortel von der (deutschen) Uni Münster hat ihre Recherche über die holländische Hungersnot veröffentlicht

Alle Tulpenarten sind in all ihren Teilen giftig – auch die Blüten, und darin besonders der Stempel.

  • Hauptwirkstoffe sind nach Roth, Daunderer, Kormann („Giftpflanzen, Pflanzengifte“) „Tulipin mit ähnlicher Wirkung wie Aconitin, weiters Tuliposid A und B. Es ist anzunehmen, dass Gehalt und Zusammensetzung bei den einzelnen Tulpenarten stark schwanken.“
  • Manche Menschen reagieren zudem auf Hautkontakt mit Tulpen mit Ekzemen.  Tipp:   Die Fosteriana-Tulpe „Roter Kaiser“ (=Madame Lefebre), duftende, leuchtend zinnoberrote, große Blüten mit gelb gesäumter schwarzer Mitte, 40 cm hoch werdend,  soll weniger allergen wirken. 
  • Noch mehr Informationen zur Giftigkeit von „Tulipa gesneriana L. und Hybriden“ - und auch anderer Pflanzen - finden Sie unter toxcenter.  Darin empfiehlt Dr. Daunderer als Erste Hilfe:
    „Nach Verschlucken von Blattteilen, Blütenblättern Stängeln und weniger als 1 Zwiebel: Mund ausspülen und ein Glas Wasser trinken (lassen). Keine weitere Therapie.
    Kohlegabe nur nach Verschlucken von mehreren Zwiebeln, Narbenschenkeln oder Fruchtknoten.
    Nur bei sehr großen Mengen und kurzer Latenz: Magenentleerung (Ipecac).“
  • Wenn sie sich unsicher fühlen, rufen Sie Ihr Giftinformationszentrum an!

 TULPENARTEN 

Innerhalb von 400 Jahren sind mehrere Tausend Tulpensorten aus den Wildtulpen gezüchtet worden. Wer in Tulpen schwelgen möchte, bzw. sich über viele Arten informieren möchte, kann es hier tun.
Grob eingeteilt lassen sich sämtliche Tulpen drei Großgruppen zuordnen, unter denen sich auch duftende Arten befinden:
 

  1. GARTENTULPEN

    Das sind ausschließlich in Kultur bekannte Züchtungen, die wiederum nach ihrer Blütezeit und ihrer Blütenform unterteilt werden in:
    1. Frühblühende einfache oder gefüllte Tulpen, die im März, April blühen. Im Gewächshaus eignen sie sich für die Treiberei, im Freiland für Beete, Steingarten und zur Grabbepflanzung.
    2. Mittelfrüh blühende Tulpen, die ab Mitte April blühen
      1. Triumph-Tulpen: standfeste Stängel, haltbare, ebenmäßige, becherförmige Blüten. Geeignet zur Treiberei und für Gartenanlagen.
      2. Darwin-Hybrid-Tulpen: große, leuchtkräftige Blüten
      3. Mendeltulpen: kürzere Stängel, einfarbige Blüten
    3. Spätblühende einfache oder gefüllte Tulpen, die ab Ende April blühen, besonders hübsch mit farblich passender Unterplanzung aus Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen …
      1. Landhaus- bzw. Cottage-Tulpen: einfache, schlanke Blüten
      2. Päonienblütige Tulpen: gefüllt in verschiedenen Farben blühend
      3. Lilienblütige Tulpen: schmale, spitz zulaufende, elegant nach außen gebogene Blüten. Benötigt hellen, damit die Stängel nicht zu lang werden.
      4. Crispa-Tulpen: zart gefranste Blütenblätter, einfach oder gefüllt. Die Blütenform bleibt erhalten.
      5. Viridiflora-Tulpen: lilienblütig, aber mit grün marmorierten oder gestreiften Außenseiten
      6. Papagei-Tulpen: bizarr geschlitzte, gekräuselte, oft kontrastreich geflammte Blüten. Sie sind haltbar, stehen auf festen Stielen und lieben ein möglichst hellen Standort.
      7. Rembrandt-Tulpen: eiförmige, in mehreren Farben changierende oder geflammte Blüten. Die in der Barockzeit die Tulpomanie fördernden, herrlichen, unberechenbaren und unvorhersehbaren, jedoch hoch dotierten Färbungen, auch die der Papageientulpen, gingen, erst Anfang des 20. Jhd. entdeckt, auf ein durch Blattläuse übertragenes Tulpenmosaikvirus zurück, das meistens, ohne tolle Färbung - bis auf Einzelexemplare - die ganze Tulpenpflanzung schwächte. Heute werden fast ausschließlich Rembrandt-Mix-Sorten angeboten, deren Zeichnungen durch langjährige Zucht gelungen sind und keine Gefahr mehr darstellen – weder für das Tulpenbeet noch für die Geldbörse !
  2. BOTANISCHE TULPEN: Infos dazu finden Sie   h i e r   ! 
  3. WILDTULPEN:  Und   h i e r   mehr über Wildtulpen!

     

Andere Namen

TulpeZuchttulpe

Merkmale

Verwendung NutzpflanzeWeitere Nutzung von PflanzenAnbaueignungalte KulturpflanzeBauerngartenpflanzeGartenpflanzeleicht zu ziehenUnterpflanzungZierpflanze
Vorkommen HöhenstufenFlachlandHügellandMittelgebirgeGärtenVerbreitungnördliche Erdhalbkugel
Blütenfarbe rosarotgelbpurpurgrünorangeweißviolett
Wuchsform krautige Pflanze / Staude

Aussaat & Pflege

full autumn

Zwiebel

first spring

Boden

full spring

Blätter

midsummer

Zwiebel

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Rezepte mit dieser Pflanze

Steckbrief

Familie
Liliaceae
Gattung
Tulipa
Ordnung
Liliales
Klasse
Liliopsida
Lebensform
Gras
Habitat
In and around cultivated land.
Essbarkeit
★☆☆☆☆
Licht
7/10
Feuchtigkeit
3/10
Boden
6/10
pH-Wert pH 7 – 7.5

Anbau & Pflege

Easily grown in a sunny position in a well-drained sandy soil with added leafmould. The bulbs are very hardy, surviving soil temperatures down to about -12°c. This is a complicated species, or perhaps a group of very closely related species, some members of which are probably native to Europe. It is a parent of the cultivated garden tulips. The flowers are sweetly scented. Bulbs can be harvested in June after they have died down and then stored in a cool dry place, being planted out again in October.
Vermehrung: Seed - best sown in a shady part of the cold frame as soon as it is ripe in early summer, or in the early autumn. A spring sowing of stored seed in the greenhouse also succeeds[K]. Sow the seed thinly so that the seedlings can be grown on without disturbance for their first growing season - apply liquid feeds to the pot if necessary. Divide the bulbs once the plants have become dormant, putting 3 - 4 bulbs in each pot. Grow the on in the greenhouse for at least the next year, planting them out when dormant. Division of offsets in July. Larger bulbs can be planted out straight into their permanent positions, or can be stored in a cool place and then be planted out in late autumn. It is best to pot up smaller bulbs and grow them on in a cold frame for a year before planting them out when they are dormant in late summer to the middle of autumn.

Essbare Verwendung

Edible Parts: Root Edible Uses: Bulb - cooked. It can be dried and ground into a powder and then mixed with cereals when making bread etc. Some caution is advised, see the notes above on toxicity.

Weitere Nutzung

Pollution Plants have been grown indoors in pots in order to help remove toxins from the atmosphere. It has been shown to help remove formaldehyde, xylene and ammonia.

Verbreitung

Heimisch: BR, NO, North America, SK, Türkiye Eingeführt: AT, Alabama, Austria, Baltic States, Belgium, Bulgaria, CH, CZ, Channel Is., Czech Republic, Czechia-Slovakia, DK, EE, East European Russia, England, FR, Flemish Region, France, GB, Germany, Great Britain, Hungary, IT, Ireland, Italy, Korea, LT, Lithuania, Massachusetts, North Caucasus, Ohio, Ontario, Romania, SE, Scotland, South European Russia, Spain, Switzerland, TW, The Netherlands, Wales, Walloon Region

Alternative deutsche Namen

Garten-TulpeGesners Tulpe
Haftungsausschluss: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen keine professionelle Beratung durch Ärzte, Apotheker oder Kräuterkundige. Das Sammeln und Verwenden von Wildpflanzen geschieht auf eigene Gefahr. Verwechslungsgefahr mit giftigen Pflanzen besteht. Mehr erfahren