Kleines Knabenkraut
Anacamptis morio (L.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase · auch: Knabenkraut, Kleines-
Beschreibung
Überdüngung, Pestizide, Trockenlegung, Verbauung des Lebensraumes und Raubgrabungen für Aphrodisiaka bzw. Salep und für heimische Gärten ließen das Kleine Knabenkraut, einst auch in Mitteleuropa ein häufiger herzerfreuender Anblick in Magerwiesengesellschaften, beinahe aussterben.
Portrait
BESCHREIBUNG
Mit den ersten Frühlingsblühern treibt diese, vom Aussehen her robuste, jedoch konkurrenzschwache Wildorchidee aus ihrer jungen unterirdischen Speicherknolle (Tochterknolle) einen kräftigen 10 bis 35 cm hohen Stängel, der bodennah von einer wintergrünen Rosette aus lanzettlichen, grünen, ungefleckten Laubblättern umgeben ist, von einigen anliegenden Stängelblättern umhüllt wird, sich oben purpurn überlaufen zeigt und einen blütenreichen Kopf der Sonne entgegenstreckt, wartend auf kleine, geflügelte Bestäuber wie Wildbienen, Wildhummeln, Fliegen wie der Wollschweber u. a..
Der Blütenstand besteht aus 5 – 25 relativ großen, zylindrisch und locker angeordneten Orchideenblüten, in der Farbe ist er sehr variabel und reicht von Purpurviolett über Violett, Rot, Hell- und Dunkelrosa bis hin zum seltenen Weiß.
Jede einzelne Orchideenblüte des Blütenstandes
- trägt in ihrem unteren Teil auf der Vorderseite als Landeplatz für Insekten eine mindestens 1,5 x so breite wie lange, schwach dreilappige Lippe, deren Basis und Mitte als „Anflugbahn“ stets eine flächige, zungenförmige, helle Zeichnung mit groben, dunkleren Flecken zeigt.
Auf der Rückseite ist die Lippe zu einem schlauchigen, kräftigen Sporn verlängert, der schräg nach oben steht und, die Bestäuber „närrisch“ täuschend, keinen Nektar, keine Leckerei enthält. (Täuschblume) - Im oberen Blütenteil bilden die drei Blütenblätter einen lockeren, etwas rundlichen Helm, dessen Seitenteile, die Kronblätter (Petale), innen und außen arttypisch mit grüngelben bis dunkelgrünen Streifen versehen sind, und der, zusammen mit dem schräg nach oben gerichteten Blütensporn, wie eine kleine Zipfelmütze mit langem Zipfel bzw. wie eine Narrenkappe wirkt.
Die Blütezeit des Kleinen Knabenkrautes dauert, wie ein weiterer deutscher Name, nämlich Frühlingsknabenkraut, andeutet, je nach Standort und Winterende, von Mitte April bis Anfang Juni.
Während der Blüte entwickelt das Kleine Knabenkraut, um für eine neue Pflanze im darauffolgenden Jahr vorzusorgen, eine zweite Wurzelknolle, eine sogenannte Tochterknolle, während die andere, die Mutterknolle, langsam zu schrumpeln beginnt, aber noch die Samen des Samenstandes zur Reife bringt. Sie verlassen dann bereits im Juni bis Anfang Juli die trockene Kapsel.
- Winzig-klein und ohne mitgegebene Nährstoffe sind die Samen auf spezielle Bodenpilze angewiesen, die sie zum Keimen bringen, ein Wachsen der Wildorchidee ermöglichen und ihr weiteres Pflanzenleben begleiten.
Oberirdische, typische Kennzeichen:
Vielleicht haben Sie das Glück, eine Wildorchidee zu entdecken, von der Sie annehmen, dass sie ein Kleines Knabenkraut sein könnte!? Bei Ihren Überlegungen kann Ihnen die Kenntnis seiner oberirdischen typischen Kennzeichen helfen:
- ungefleckte, lanzettliche Laubblätter, in einer grundständigen Rosette angeordnet
- Blüten-Helmchen mit grünlich gestreiften Seitenteilen
- auf der Mitte seiner dreilappigen Lippe eine zungenförmige, helle Zeichnung mit dunkleren Flecken
- schräg aufgerichteter, kräftiger Blütensporn
Verwechselt werden kann es
- im Entwicklungsstadium der fertigen Blattrosette, jedoch noch ohne Stängel, mit der tödlich giftigen Herbstzeitlose, die im Frühling ebenfalls einen grünen Blätterschopf ausbildet, ihre Blüten jedoch erst im Frühherbst zeigt,
- blühend mit dem Männlichen Knabenkraut, das jedoch keine grünlichen Streifen des Blütenhelms besitzt. Seine Laubblätter können einfarbig grün, aber auch gefleckt oder gesprenkelt sein.
- Desweiteren gibt es eine gewisse Verwechslungsmöglichkeit mit der Breitblättrigen Fingerwurz, deren Blätter jedoch stets gefleckt sind.
STANDORTE
Zu finden ist das Kleine Knabenkraut … Ja, hier beginnt sein Problem, denn leichter zu beantworten ist, wo es zu finden war :
Noch bis vor 50 Jahren verwandelten sich im Frühling vom Flachland bis ins Gebirge ausgedehnte, meist bodensaure Magerwiesen, magere Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen und lichte Waldwiesen in blühende Orchideenwiesen mit seinem häufigsten Vertreter, dem Kleinen Knabenkraut, das sich hier wohl fühlte und stark vermehrte ... sofern der Standort unverändert blieb, die Wiese nur einmal gemäht, und zwar erst nach der Selbstaussaat der kleinen Wilden, und das Mähgut entfernt wurde.
Das Kleine Knabenkraut war so häufig, dass man es auch als Gemeines Knabenkraut bezeichnete. Gemein im Sinne von gewöhnlich ;)
Großangelegte Überdüngungen, Erweiterungen von Ackerland, Einsatz von Pestiziden, Trockenlegungen, Verbauungen seiner Lebensräume und Raubgrabungen seiner – leider essbaren - Knollen ließen jedoch diese Pflanze, die einst zu den häufigsten europäischen Wildorchideen zählte und deren Verbreitungsgebiet von Südskandinavien über Europa bis zur nordafrikanischen Küste und bis nach Vorderasien reichte, beinahe verschwinden.
Aufgrund seiner im Jahre 1979 durch die Berner Konvention erfolgten Unterschutzstellung hat es in entsprechenden Lebensräumen von Naturschutzgebieten überlebt. Desweiteren in Gebieten, die von Landwirten nach den Richtlinien ihrer mit der Naturschutzverwaltung abgeschlossenen Pflegeverträgen bearbeitet werden und in Gebieten, die von staatlichen Pflegetrupps betreut werden. In diesen Lebensräumen kann es sich erholen und tritt dann stellenweise sogar wieder häufiger auf.
Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei heute allgemein um eine seltene Wildorchideenart handelt, deren Bestandsentwicklung trotz gesetzlicher Schutzmaßnahmen weiterhin stark rückläufig ist und dass sie europaweit zu den gefährdeten Arten, regional sogar zu den stark gefährdeten Arten zählt!
WAS DIE VIELEN NAMEN VERRATEN
Das unterirdische, typische Kennzeichen des Kleinen Knabenkrautes, seine beiden hodenähnlichen Wurzelknollen, löste über Jahrtausende gewisse Assoziationen aus, die nicht nur seine Verwendung maßgeblich bestimmten, sondern auch seine vielen deutschen Namen (Knabenkraut, Fuchshödlein, Bockshödlein, Hasenhödlein, Geilwurz, Knabenwurz, Liebeswurz, Nachlaufwurz, Knabenmännlein, Heiratsblume, Heiratskraut, Storchkraut) und seinen langjährigen botanischen Namen verursachten sowie den Namen der Pflanzengattung und der Pflanzenfamilie, deren Mitglied es ist:
Bereits im 4. Jh. v. Chr. bedachte der griechische Naturforscher Theophrastos von Eresos in seinem Werk „Historia plantarum“ das Kleine Knabenkraut mit dem Namen orchis, was sowohl im Altgriechischen als auch im Neugriechischen Hoden bedeutet. (Quelle) Auch der Name der weltweit zweitgrößten Pflanzenfamilie, nämlich der Orchideen bzw. Orchidaceae, und der botanische Name einer Gattung Orchis, leiten sich davon ab.
Das Kleine Knabenkraut trug seit Linné beinahe 250 Jahre lang den botanischen Namen „Orchis morio L.“, … bis es 1997 gemäß The Plant List aufgrund genetischer Untersuchungen der Orchideengattung der Hundswurzen (Anacamptis) zugeteilt wurde. Die Artbezeichnug morio ist ihm geblieben, sodass aktuell sein korrekter botanischer Name Anacamptis morio (L.) R.M.BATEMAN, PRIDGEON & M.W.CHASE lautet, bzw. abgekürzt: Anacamptis morio. - Logischerweise folgert daraus ein weiterer deutscher Name, nämlich Kleine Hundswurz. - Doch nach wie vor bezeichnet man diese wildwachsende Erdorchidee oft als Kleines Knabenkraut und verwendet seinen alten bot. Namen Orchis morio, der als Synonym seines jetzigen immer noch Bestand hat.
Der zweite Teil seines botanischen Namens, die Artbezeichnung morio, bringt das Kleine Knabenkraut laut H. Genaust mit dem Phänomen Narr (Latein: morio, Deutsch: Narr) in Verbindung, was an seinem Aussehen und an seiner vermeintlichen Wirkung liegen dürfte:
- Aussehen im Bezug zum Narren:
Der obere Blütenteil jeder seiner Blüten ähnelt als Blütenhelm mit langem Blütensporn und arttypischem Streifenmuster aus grüngelben und dunkelgrünen Streifen einer Narrenkappe.- Die Narrenkappe, die typische Kopfbedeckung des Narren, entwickelte sich im 14. Jh. aus der damals weit verbreiteten Alltags-Kopfbedeckung, der sogenannten „Gugel“, einer einfarbigen Kapuze, die von Männern und Frauen jeglichen Standes getragen wurde. Die Gugel des Narren, die Narrenkappe, unterschied sich jedoch von der herkömmlichen Gugel. Sie war bunt: Oft wurde die Farbe Rot, als Symbol für Leidenschaft und Aggression, zusammen mit den Farben Gelb und Grün verwendet, die in ihrer negativen Bedeutung als Schandfarben den Narren als Außenseiter kennzeichneten. Außerdem war die Gugel des Narren mit einem oder mehreren besonders langen Kapuzenzipfeln versehen – wie auch das Kleine Knabenkraut einen langen Blütensporn besitzt.
- Wirkung im Bezug zum Narren:
Zudem wurde mit der Artbezeichnung morio („Narr“) der nachgesagten aphrodisierenden Wirkung des Kleinen Knabenkrautes Rechnung getragen. Hatte doch die Rolle eines echten Narren einen starken Bezug zu übertriebener Sexualität.
Als Knabenkraut werden übrigens aufgrund ihrer Wurzelform auch Arten aus der Gattung Orchis als auch aus den Gattungen Hundswurzen (Anacamptis) , Fingerwurzen (Dactylorhiza) , Ragwurzen (Ophris) und Neotinea.
DAS KLEINE KNABENKRAUT – EIN APHRODISIAKUM ?
Die hodenähnliche, paarige Wurzelform des Kleinen Knabenkrautes drückte im Sinne der bereits im Altertum verbreiteten Signaturenlehre ihren Stempel nicht nur auf die Namensgebungen dieser Wildorchidee, sondern verhalf ihr bis heute auch zu ihrem dubiosen Ruf, ein starkes Aphrodisiakum zu sein. Bei Bedarf und „richtiger Anwendung“ auch ein Anaphrodisiakum:
- Der griech.-röm. Militärarzt Dioskurides, er lebte im 1. Jh. n.Chr., beschrieb in seiner Arzneimittellehre „De materia medica“, die die Medizin und Pharmakologie über 1600 Jahre maßgeblich prägte, auch eine Pflanze, die er, wie bereits Theophrastos 400 Jahre vor ihm, als orchis bezeichnet. Aufgrund ihrer Beschreibung versteht Dioskurides laut Berendes unter orchis auch das Kleine Knabenkraut = Gemeines Knabenkraut. Er erwähnt dessen bereits in der Römerzeit volkstümlichen Namen Hundehoden und dass es zwei Arten von Wurzelknollen, eine diesjährige, große, feste und eine letztjährige, kleinere, zartere, weiche. Jede der beiden Wurzeln rufe, wenn sie gekocht von Mann oder Frau gegessen wird, eine spezielle sexuelle Wirkung hervor. Außerdem könne man dadurch sogar das Geschlecht des Wunsch-Nachwuchses bestimmen (-> deutscher Name „Storchkraut“!).
Zitat: … erzählt man, dass die größere Wurzel, von Männern verzehrt, die Geburt von Knaben bewirke, die kleinere aber, von Frauen genossen, die Geburt von Mädchen. Weiter berichtet man, dass die Frauen in Thessalien die zartere mit Ziegenmilch trinken, um die Liebeslust anzuregen, die feste aber zur Unterdrückung und Abschwächung der Liebesgelüste, ferner, dass durch den Genuss der einen die Wirkung der anderen aufgehoben werde... Nachzulesen in der von Dr. A. Vögtli eingescannte PDF-Version auf Seite 203: Dioskurides.pdf.
Abergläubische Geschichten über eine Stärkung der Sexualität und der männlichen Zeugungskraft durch das Verspeisen von rohen oder gekochten Wurzelknollen bestimmter Wildorchideen, die als Satyrion (in der Antike ein Sammelbegriff für Aphrodisiaka), später, aus dem Arabischen (khus yatus salab = Fuchshoden) abgeleitet, als Salep bezeichnet und gehandelt wurden, kursieren also bereits seit dem Altertum in Vorderasien und Europa.
- Näheres zu Satyrion:
Wurzelknollen von Erdorchideen galten in der griechischen Mythologie als die Hoden des in ein Knabenkraut verwandelten lüsternen Orchis, Sohn eines Satyrs und einer Nymphe . Solche Wurzeln sah man als Träger vermeintlich starker aphrodisierender Wirkung als ein Satyrion an. Sie galten laut Ch. Rätsch in „Heilkräuter der Antike“ auch als Lieblingsspeise der stets hungrigen Satyrn.
- Näheres zu Salep:
Die Knollen des Kleinen Knabenkrautes zählten und zählen als Salep zu den Lieblingsspeisen Aphrodisiaka-Hungriger! Es wird sogar als Salep-Knabenkraut bezeichnet und unter diesem Namen gehandelt. - Doch auch andere Wildorchideenarten werden für Salep verwendet:
- vorzugsweise solche mit paarigen, ungeteilten Wurzelknollen, wie Männliches Knabenkraut, Helm-Knabenkraut, Brandknabenkraut, Schmetterlings-Knabenkraut, Affen-Knabenkraut
- sowie weitere Arten von Knabenkräutern, Hundswurzen (Name!), Riemenzungen, Ragwurzen, Zweiblättrige Waldhyazinthe und Zungenständel ("Serapias").
- Weniger begehrt, aber als Salepwurzeln auch gesucht, waren - bzw. sind - auch die geteilten, handförmigen Wurzelknollen der Fingerwurzen und Händelwurzen. Man bezeichnete letztere als Jesuhändchen, Johannishände, Marienhände und als Teufelshände.
Die genannten Erdorchideen-Arten wurden dementsprechend gegraben und gehandelt bzw. werden in den Balkanländern und im vorderasiatischen Raum immer noch gegraben und gehandelt. Zum größten Teil illegal und den Bestand dieser Wildorchideen ernsthaft gefährdend!
Wie wissenschaftlich festgestellt, stecken jedoch keine wie immer gearteten sexualkraftstärkende Wirkstoffe in den Orchideenknollen! Sie sind ungiftig und liefern leicht verdaulichen, reizmildernden Schleim. Das ist alles.
Jedoch nicht die Inhaltsstoffe der genannten Orchideen, sondern eben die Signatur ihrer Wurzeln ließ die Menschen den hartnäckigen Sex-Mythos ersinnen, an dem gewisse Wurzelgraber und Händler seit jeher gut verdienen.
Die Sexmärchen über die „Geilwurzen“ hielten sich dadurch und durch mündliche und schriftliche Überlieferungen ihrer echten und angeblichen Wirkungen über Jahrtausende, unterschwellig sogar bis in unsere Zeit, auch wenn die Signaturenlehre heute als unwissenschaftlich gilt! An Glaubwürdigkeit hatte die kolportierte aphrodisierende Wirkung der Orchideenwurzeln leider durch berühmte Ärzte, Naturforscher und Kräuterbuchautoren gewonnen:
- Den roten Faden legte bereits Galenos, einer der bedeutendsten Ärzte der Antike. Seine umfassenden medizinischen Schriften aus dem 2. Jd. n. Chr. - sie enthalten auch die von Dioskurides genannten Wirkungen des Kleinen Knabenkrautes - beherrschten bis in das 19. Jahrhundert (!) die europäische Heilkunde. Die Medizinschulen, die Klostermedizin sowie die Väter der Botanik und die nachfolgenden Autoren von Kräuter- und Medizinbüchern orientierten sich an Dioskurides bzw. an Galenos. Auch bezüglich des Kleinen Knabenkrautes.
- Selbst Paracelsus (1493 – 1542) saß diesem Irrtum auf und führte sogar in seinem Sammelwerk „Opera: Bücher und Schriften“ im Buch „LIBER DE IMAGINIBUS“, Cap. IX, auf Seite 306 die aphrodisierende Wirkung ungeteilter Orchideenwurzelknollen als Beispiel angewandter Signaturenlehre an. Er bezeichnet sie mit dem antiken Sammelbegriff für Aphrodisiaka als Satyrion. Zitat: Secht an die Wurzel Satyrion, ist sie nicht gestalt wie eines Manns Scham? Niemandt kan anderst sagen/ darumb sie durch die Magicam anzeigt und durch die Magica ist erfunden worden/ daß sie den Mannen ihre verlorene Manheit und Unkeuschheit wider bringt.
- Ungefähr zur selben Zeit notierte der Schweizer Arzt und Naturforscher Konrad Gesner neben seiner Zeichnung des Kleinen Knabenkrautes: „Die ganze Substanz aller Orchis-Arten scheint nämlich etwas Schaumiges (und wie Sperma-Artiges) zu enthalten.“ (Quelle)
- 100 Jahre später startete in England unter dem Namen Saloop ein Salep-Boom, denn der englische Apotheker Nicholas Culpeper verbreitete durch seinen Bestseller „The Complete Herbal“ auf S. 256 f., die antike Kunde über die ungemeine Nützlichkeit von Salep, der u. a. die Begierde aufs Äußerste zu erregen vermag.
- Auch im übrigen Europa schwärmte man noch immer vom Salep. So findet sich beispielsweise seine den antiken Autoren entsprechende Wirkungsweise in dem Medizinbuch von Samuel A. Jüngken „Die Kunst, sein eigener Medicus zu seyn“, Jahrgang 1721, auf S. 390, 391. Das Buch erlebte anschließend noch mehrere Auflagen.
- Und Kräuterpfarrer Weidinger empfahl noch im Jahre 1982 auf seiner Teekarte Nr. 124 bei Impotenz des Mannes u.a. die Salepknolle. Als deren Ersatz als Aphrodisiakum nennt er die Seifenkrautwurzel. Diese hübsche Pflanze ist wenigstens nicht vom Aussterben bedroht. Ihre Wurzel macht viel Schaum, wenn sie als Waschmittel, anscheinend nicht nur für Wolle und Seide, verwendet wird und soll dabei die gleiche Placebowirkung hervorzaubern wie die Knollen der Knabenkräuter!
DAS KLEINE KNABENKRAUT - EIN HEILMITTEL
Man sagte den runden bzw. ovalen Wurzelknollen der Knabenkräuter nicht nur große aphrodisierende Kraft nach, sondern auch Nährkraft und Heilkraft. Letztere ist auf ihren Inhaltsstoff Bassorin, einen stark quellbaren Schleimstoff mit reizmildender Wirkung auf die Schleimhaut des Verdauungstraktes, zurückzuführen.
Dazu wurden die Knollen der „Salep-Orchideen“ gesammelt, vor allem jene des lange sehr häufigen Kleinen Knabenkrautes. Die Knollen wurden gereinigt und anschließend gekocht, um sie zu entbittern. Um sie haltbar zu machen, fädelte man sie zum Trocknen auf Schnüre. Während des Trocknungsvorgangs schrumpften sie, wurden durchscheinend und von hornartiger Konsistenz. In diesem Zustand kamen sie entweder als Salepknollen (in der Apothekersprache Tubera Salep) oder pulverisiert unter der Bezeichnung Salep bzw. Saleppulver (in der Apothekersprache Tubera Salep pulvris) in den Handel.
Für Heilzwecke wurde meistens Salepschleim (= Mucilago Salep, Salepgallerte) zubereitet:
- Zusammen mit Wasser wurde aus Saleppulver der Salepschleim (= Mucilago Salep, Salepgallerte) gekocht, der als Kräftigungsmittel sowie bei Husten, Mund- und Rachenentzündung und bei Magen- und Darmbeschwerden, vor allem bei Brechdurchfall, als Speise und / oder als Klistier verabreicht wurde.
Wie man Salepschleim (Salep-Gallerte) selbst herstellt, ist in alten und neueren Medizin- und Kräuterbüchern zu finden.
Salepschleim (Mucilago Salep) wurde jedoch auch, wie „Hagers Handbuch der Pharmaceutischen Praxis für Apotheker, Ärzte, Drogisten und Medicinalbeamte“ noch 1902 belegt, offiziell in Apotheken zubereitet und wurde von den Ärzten offiziell verordnet.- So empfahl u. a. der berühmte deutsche Arzt und Volkserzieher Christoph W. Hufeland , der um 1800 lebte, also in einer Zeit, in der Deutschlands Bevölkerungsdichte 56 statt wie im Jahr 2021 238 Einwohner je km² betrug, für an Brechdurchfall erkrankte Kinder den Salepschleim als Heil- und Kraftnahrung.
- Auch gut 100 Jahre später empfiehlt Dr. H. Marzell in seinem vielgelesenen Kräuterbuch "Neues illustriertes Kräuterbuch", die Bevölkerungsdichte ist inzwischen auf 133 je km² gestiegen, bei Brechdurchfall die Salep-Gallerte zu essen und erklärt auch, wie sie gekocht wird.
- 2006 bestätigt bekannte Apotheker M. Pahlow in einer aktualisierten Neuauflage seines Standardwerkes "Das große Buch der Heilpflanzen" Heilwirkung und Anwendung von Knabenkrautknollen, führt jedoch – endlich! - als eindringliche Neuerung an, dass heute die Verwendung der Knollen nicht mehr erlaubt und der Handel mit der seltenen Pflanze strikt untersagt ist.
Salep-Knollen sind als Heilmittel ohnehin entbehrlich, denn schleimhautschützende und aufbauende Eigenschaften besitzen auch andere Pflanzen, beispielsweise Hafer, Lein, Malvenarten, Islandmoos, Eibischwurzeln, Flohsamen, Chia.
Außerdem gibt es inzwischen von Durchfall geschwächte Kinder und Erwachsene heilende Mittel aus der Apotheke, auch wohltuende medizinische Schleime, sodass heute kein Grund mehr besteht, Raubbau an den Wildorchideen zu betreiben und dabei die internationalen und nationalen Orchideen-Schutzgesetze zu überschreiten!
KLEINES KNABENKRAUT IN DER TEXTILINDUSTRIE
Salepschleim wurde in Europa in der Textilindustrie noch im 19. Jh. als Appretur verwendet, hauptsächlich für Seide und feine Wollstoffe. Er wurde auch in Stoff-Färberezepte eingearbeitet, wie beispielsweise die „Bekanntmachung von Gewerbs-Privilegien“ des „Intelligenzblattes für den Unter-Mainkreis des Königreichs Bayern. Jahrgang 1831“ zum Bedrucken von feinen Wollstoffen aus Merinowolle, anführt und empfiehlt.
KLEINES KNABENKRAUT – EIN NAHRUNGSMITTEL
Die Wurzelknollen der Knabenkräuter wurden und werden fälschlicherweise immer noch als Spender großer Nährkraft angesehen, die sie aber, wie sich ernährungsphysiologisch herausgestellt hat, nicht besitzen:
Obwohl die Wurzelknollen (Salep-Knollen) u. a. neben etwas Zucker, Mineralstoffen und Eiweiß zu einem Großteil (75%) aus Kohlenhydraten (Polysacchariden) bestehen, liefern sie nur einen geringen Energiewert, denn nur 27 % der Kohlenhydrate sind nährende Stärke, der Rest ist - nach neuen Angaben - wasserunlösliches, aber stark quellbares Bassorin, ein leichtverdaulicher, magenfüllender Schleimstoff mit wenig Energiewert, aber als sämiges bis zähes Verdickungs- und Bindemittel verwendbar.
Wenn man bedenkt, dass Europas Bevölkerung seit dem 19. Jh., als es noch üblich war, auf europäischem Boden für Speisezecke nach Orchideenwurzeln zu graben, bis heute stark angestiegen ist, so kann man verstehen, dass der gut gemeinte Rat auf S. 37 - 39 des „Noth- und Hülfsbüchleins für Arme“ aus dem Jahr 1817, sich in Bayern mit Hilfe der Wurzelknollen des Kleinen Knabenkrautes mit geringen Kosten ein gesunde und nahrhafte Speise zu verschaffen, heutzutage nicht lange durchführbar wäre, ohne dass die Knabenkräuter bei dem voraussichtlichen Mehr an Wurzelgrabern im süddeutschen Raum - und auch in den angrenzenden Gebieten - in Kürze ausgestorben wäre!
Mag früher vielleicht der Verzehr von Orchideenwurzeln, wozu sie in einer Fleischbrühe oder in Milch bzw. Wasser, Wein gekocht wurden, auch aus Not geschehen sein, schwingt dabei doch stets als Grundkonstante, vor allem heutzutage, ihre vermeintlich aphrodisierende, sexualkraftstärkende Signatur mit, was die Lebensmittelindustrie in manchen Ländern immer wieder auszunützen versteht, denn „Sex sells“!
Nicht nur, dass Salepknollen und Saleppulver ohne erkennbare staatliche Genehmigungen unter den Bezeichnungen Salep, Salepi, Sahlab und Sahlep auch im Internet zum Verkauf (z.B. Juni 2024 10 g Saleppulver € 10.-) angeboten werden, selbst auf den großen Online-Markplätzen, erlebt der Verzehr von Salep unter dem Deckmantel der Tradition ein erneutes Aufleben in Ländern, die zwar politisch zerstritten, aber in Bezug auf Salep aus Orchideenknollen einer Meinung sind: Salep stärkt, Salep gibt Identität, Salep bringt Geld! Gleich ob das die Länder mit dem größten Wildorchideen-Konsum, nämlich Türkei und Griechenland, sind oder Albanien, Israel, Westjordanland, Iran, Libanon, Jordanien, Syrien und Ägypten: Im Sommer ist das zähe, traditionelle Salep-Eis gefragt, im Winter das wärmende Salep-Getränk!
Über das Salep-Getränk
Das Salep-Getränk ist, je nach Sprachgruppe, kurz unter den Bezeichnungen Salep, Sahlep, Sachlav und Saloop bekannt. Gekocht wird es original aus Ziegenmilch und Saleppulver, dem sämigen, jedoch fade schmeckenden Verdickungsmittel. Aroma erhält es durch Süßen mit Honig und durch Zimt, mit dem es dekorativ bestreut wird.
In der Blütezeit des Osmanischen Reiches und danach breitete sich das Salep-Getränk von Vorderasien über den Balkan und das restliche Europa aus:
- In England wurde es als Saloop bis ins 19. Jh. an zahlreichen Staßenständen, den Saloop-Ständen, anstelle von Tee und Kaffee, die viel teurer waren, konsumiert. Dieser Boom endete jedoch abrupt, als behauptet wurde, man behandle mit Saloop Geschlechtskrankheiten, vor allem Syphilis. Damit wollte niemand in Verbindung gebracht werden und trank lieber Tee oder Kaffee.
- Zur gleichen Zeit wurde in Frankreich eine der ersten Fertigmischungen als Nährpulver bzw. als Kraftmehl unter dem klingenden Namen Racahout des Arabes in Umlauf gebracht, das durch seinen Genuss den Erwerb von Schönheit und Lebensfrische der Haremsdamen suggerierte, denn es enthielt Salep! - Mit Milch aufgekocht avancierte das Getränk zum Hauptfrühstück nicht nur der Erwachsenen, sondern auch der Kinder und machte den Hersteller zu einem reichen Mann.
- Um den Import der teuren Fertigmischung Racahout des Arabes in den deutschen Sprachraum zu minimieren, wo bereits ein Becher Salep als kraftspendendes, aber billiges Frühstücks-Milchgetränk für Handwerker gebräuchlich war (!), verriet L. A. Buchner jun. die Zusammensetzung der „orientalischen“ Fertigmischung: Zucker, Kakaopulver, Kartoffelstärke, Vanille und – Saleppulver.
- Und heute??
Auch heute noch wird Salep als heißes und heißgeliebtes Milchgetränk aus der Zeit der osmanischen Palastküche in den Ländern Vorderasiens und des Balkans in der kalten Jahreszeit, ähnlich wie bei uns Punsch oder Glühwein, zu Hause und im öffentlichen Raum zelebriert, wo Menschen einander begegnen und miteinander in Kontakt treten. Es erfüllt somit u. a. auch eine wichtige soziale Funktion. Nur sollten dabei nicht die wildwachsenden Erdorchideen ausgerottet werden!!
Neben der Kontrolle des Pflanzenschutzes sind umfassende Informationen darüber an die Bevölkerung und ein Ersatz der Orchideenknollen nötig, der als ebenso fancy empfunden wird, aber ein faires Produkt darstellt.
Um am Salep-Boom gesetzeskonform mitnaschen zu können, versuchen aktuell kleinere Lebensmittelfirmen und riesige Lebenmittelkonzerne einen Spagat zwischen dem eingeführten Begriff „Salep“ und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen, indem sie, wie anno dazumal in Frankreich, Fertigmischungen anbieten, die allerdings - in der Regel – Salep nicht beinhalten, sondern nur als Titel führen, beispielsweise Express Salep oder Nestlé Salep.- Wer sich selbst - ohne Salep-Fertigmischung und ohne Orchideenwurzel - ein leckeres Neo-Salep-Getränk zubereiten möchte, findet hier auf Wildfind das passende Rezept dazu!
- Wer sich selbst - ohne Salep-Fertigmischung und ohne Orchideenwurzel - ein leckeres Neo-Salep-Getränk zubereiten möchte, findet hier auf Wildfind das passende Rezept dazu!
Über das Salep-Eis
Salep-Eis in Griechenland
Kaimaki-Eis ist eine traditionelle griechische Eisspezialität, die mit Salep hergestellt wird. Wie hier in Zakynthos, wo es neben italienischem Eis angeboten wird und seine Zutaten vorgestellt werden.
Salep-Eis in der Türkei
Dondurma ist die türkische Bezeichnung für Speiseeis. Es wird auch unter dem Namen Maraş-Eis gehandelt, da es in Kahramanmaraş erfunden worden sein soll. Die Grundzutaten sind Ziegenmilch, Mastix als Aromaspender, Zucker und viel Salep.
Auf Salep im Eis ist man stolz. Vermittelt es doch neben den Sexmärchen auch ein Eis von gewünschter sehr zäher, klebriger Konsistenz, das der Sommerhitze lange standhält. Jedoch halten die Wildorchideen dem Raubbau nicht stand!
- Dazu ein Auszug aus einem Artikel der BBC NEWS vom 03. 08. 2003 (!) :
„Wir verkaufen die Milch unserer Ziegen, erzählt ein Hirte, und sammeln Orchideen. Aber die Blumen sind immer schwieriger zu finden - immer mehr Eiscremehersteller verwenden sie und sie verschwinden. Du musst immer höher in die Berge gehen, um sie zu finden."
Der Schaden ist so groß, dass Umweltschützer jetzt ein völliges Verbot der Verwendung von Salep in Eiscreme fordern.
Aber solch drastische Aktionen scheinen bei den Eisfanatikern in der Türkei wenig Unterstützung zu finden. "Wir haben sehr lange Eis gegessen - warum sollten wir aufhören?" sagte einer. " … Der (Eis)Fabrikbesitzer Mehmet Kumble, dessen Familienunternehmen jedes Jahr bis zu drei Tonnen Salep oder zwölf Millionen Blumen verwendet, sagte, er habe keine Pläne, die Produktion einzuschränken… "Es war schon immer etwas Besonderes, weil die Wurzeln wilder Orchideen verwendet werden."
GEFÄHRDUNGSSTATUS DES KLEINEN KNABENKRAUTES
Wo jedoch die Kontrolle der Naturschutzgesetze, denen sich auch die Türkei und Griechenland verpflichtet haben, nicht durchgeführt wird, werden zahlreiche Arten von Wildorchideen aussterben, denn der Verbrauch ihrer stärkehaltigen Wurzelknollen hat in den letzten zehn Jahren nicht abgenommen, sondern stark zugenommen:
- So nimmt auch in Griechenland die Ernte von Orchideenknollen stetig zu. (Quelle)
- In der Türkei werden Schätzungen zufolge jedes Jahr 30 Tonnen Knollen von 38 Orchideenarten geerntet, denn für die Herstellung eines Kilos Salep-Mehl werden - je nach Größe - 1.000 bis 4.000 Knollen benötigt. (Quelle)
Dieser Raubbau macht sich am Rückgang an Wildorchideen in der Natur stark bemerkbar. Die Nachfrage nach Salepknollen ist jedoch nach wie vor im Steigen begriffen, und man bemüht sich weiterhin, den geldbringenden Kundenwunsch zu befriedigen. Versuche, die gewünschten Erdorchideen zu kultivieren, sind jedoch fehlgeschlagen.
- So wird der große Bedarf, laut A. Ghorbani von der Universität Uppsala und H. de Boer von der Universität Oslo 2013 geschätzte 7 bis 11 Millionen wild gesammelte Erdorchideen, durch zumeist illegale Importe aus dem Iran https://www.researchgate.net/figure/Digging-up-orchid-tubers_fig3_267866850 gedeckt. Die Salep-Knollen werden dabei einfach als minderwertige Nüsse oder andere Produkte falsch etikettiert, um Steuern und Genehmigungsanforderungen zu umgehen.
Laut Roter Liste ist der Lebensraum des Kleinen Knabenkrautes und seiner Verwandten weltweit extrem bedroht, und zwar großflächig durch Landwirtschaft, Düngemittel, Beweidung, Entwässerung, Urbanisierung, Tourismus und, je nach Land, zusätzlich durch Pflanzensammlung und Raubgrabungen.
Auch wenn sich das Kleine Knabenkraut gelegentlich in geschützten Lebensräumen wieder vermehrt, handelt es sich nach wie vor um eine seltene Art. In Bezug auf die Populationsdynamik ist es in den letzten 50 Jahren dramatisch zurückgegangen und zeigt sich außerhalb der Schutzgebiete weiterhin abnehmend!
- So gehört das Kleine Knabenkraut in Deutschland zu den stark gefährdeten Arten.
- In Österreich gilt es laut „Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein, Südtirol“ von M. Fischer e. a. und laut „Roter Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen des Lebensministeriums“ (als Orchis morio auf S. 89 der Liste) im Alpengebiet als gefährdet, in seinen nördlichen Voralpen sogar als stark gefährdet.
- In der Schweiz wird es als verletzlich gelistet.
SCHUTZ DES KLEINEN KNABENKRAUTES
- Bereits seit 1979 stehen alle wildwachsenden Orchideen in den Ländern, die die Berner Konvention ratifiziert haben, unter einem besonderen SCHUTZ. Die Berner Konvention wurde von allen Staaten des Europarates, von 4 afrikanischen Staaten sowie von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union unterzeichnet. Diese Staaten geben damit ein politisches Signal, auf die Verwirklichung des Vertrages hinzuwirken. Welche Staaten das sind und dass sowohl die Balkanländer samt Griechenland als auch die gesamte Türkei dazuzählen, sehen Sie hier mit einem Blick!
- Die EU-Länder verabschiedeten 1992 zu ihrer Umsetzung der Berner Konvention die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Eines ihrer wesentlichen Instrumente ist die Errichtung eines zusammenhängenden Netzes von Schutzgebieten der EU-Länder, das Natura 2000 genannt wird.
- Die EU-Länder verabschiedeten 1992 zu ihrer Umsetzung der Berner Konvention die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Eines ihrer wesentlichen Instrumente ist die Errichtung eines zusammenhängenden Netzes von Schutzgebieten der EU-Länder, das Natura 2000 genannt wird.
- DER INTERNATIONALE HANDEL
mit wildwachsenden Orchideen und ihren Produkten, zu denen auch Medikamente mit Inhaltstoffen aus Orchideen zählen, ist seit 1975 durch das internationale Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES im Anhang II geregelt:- Um den Schutz wildwachsender Orchideen zu gewährleisten, müssen sowohl die schriftliche behördliche Genehmigung, dass diese Orchideen der Natur entnommen werden durften, ohne dass ihr Fortbestand dadurch gefährdet worden wäre, und eine Exporterlaubnis des jeweiligen Ausfuhrstaates vorliegen.
Die rechtliche Umsetzung und der Vollzug der unterschriebenen Verträge obliegen allerdings jedem einzelnen Mitgliedstaat, da CITES nicht in die Souveränität eines Staates eingreift.
- Um den Schutz wildwachsender Orchideen zu gewährleisten, müssen sowohl die schriftliche behördliche Genehmigung, dass diese Orchideen der Natur entnommen werden durften, ohne dass ihr Fortbestand dadurch gefährdet worden wäre, und eine Exporterlaubnis des jeweiligen Ausfuhrstaates vorliegen.
- DER NATIONALE HANDEL
wird durch die jeweiligen Gesetze der einzelnen Staaten bzw. Bundesländer geregelt, wobei auch hier als Mindestschutz der Schutz der Wildorchideen durch die Berner Konvention und der besondere Schutz durch das Washingtoner Artenschutzabkommen gilt – auch für die Türkei und für Griechenland!
- KONTROLLIERT wird der Handel mit Orchideen und ihren Produkten
u. a. durch den Zoll. Illegaler Handel und Besitz kann sehr hohe Geldstrafen nach sich ziehen! Rechtsbrecher mögen bedenken, auch das Internet ist kein rechtsfreier Raum und selten bewegt sich jemand wirklich anonym durch das Netz!
- Die Stadt Köln agiert auf dem Gebiet der Kontrolle des Handels mit Salep sehr engagiert. Sie hat auf ihrer Website Telefonnummern und Mailadresse angegeben, unter denen man sich informieren oder auch vermutete Verstöße melden kann!
- In den Ländern Mittel- und Nordeuropas wird der Schutz der Orchideen zusätzlich durch die Ausgrabungsüberwachung der Unteren Landschaftsbehörde / Naturschutzbehörde und auch durch die Polizei kontrolliert. So wird den Wildorchideen in diesen Räumen ihr Überleben erleichtert.
Als Beispiel möge der folgende Bericht von B. Weber, der Wildfind zugesendet wurde, dienen:
„ Der Irrsinn treibt bis heute Blüten: Ich sprach vor wenigen Jahren mit Naturschützern auf Öland (S-Schweden). Diese waren auf das plötzliche Verschwinden etablierter Orchideenpopulationen aufmerksam geworden. Nachforschungen der Polizei ergaben, dass in Kalmar lebende türkische Bürger regelmäßige Sammelaktionen in Öland durchführten. Einige Standorte waren in der Folge erloschen!! - Bitte machen Sie das auf Ihrer Seite (auch im Interesse der Erhaltung der in der Türkei noch vorhandenen Orchideenbestände) sehr deutlich - Salep hat keine Wirkung (Zimt, Zucker und Milch tun dasselbe) und Angaben über angebliche Farming-Herkünfte zu Pflanzenmaterial aus den Mittelmeerländern sind mit Sicherheit Fake-Infos, um den westeuropäischen Konsumenten ökologische Sicherheiten vorzugaukeln!“
Diesem Wunsch sind wir gerne nachgekommen. –
Außerdem sollte es heutzutage, auch ohne Strafe, eine Herzensangelegenheit und Selbstverständlichkeit sein, dass man keine Orchideen ausgräbt! - Aber leider gibt es auch Menschen, die anders denken. Nicht nur Salep-LiebhaberInnen, sondern auch sogenannte GartenliebhaberInnen, in deren Gärten die gestohlenen Orchideen aufgrund fehlender spezieller Mikroorganismen über kurz oder lang ohnehin eingehen.
- Die Stadt Köln agiert auf dem Gebiet der Kontrolle des Handels mit Salep sehr engagiert. Sie hat auf ihrer Website Telefonnummern und Mailadresse angegeben, unter denen man sich informieren oder auch vermutete Verstöße melden kann!