Diktamos
Origanum dictamnus L. · auch: Diktam, Kretischer-
Diktamos (Origanum dictamnus) ist ein seltener Kreta-Endemit aus der Oregano-Familie mit intensivem Duft. Die traditionelle Heilpflanze wächst wild in Felsspalten und ist seit der Antike geschätzt.
Beschreibung
ORIGANUM DICTAMNUS ist im deutschsprachigen Raum bekannt als DIPTAM-DOST, DIKTAM, KRETA-MAJORAN und als KRETA-DOST; in England als DITTANY OF CRETE, HOP MARJORAM; in seiner Heimat Kreta als DÍKTAMOS, DÍKTAMO, ERONTAS, ARTEMIDEION UND STOMATOHORTO -
Die nahe Verwandtschaft dieses Kreta-Endemiten zu Origanum vulgare, dem Pizza-Oregano bzw. zum Wilden Majoran / Dost erkennt man
- an seinem starken, typischen Oreganoduft, den er auch in getrocknetem Zustand beibehält,
- und an seinem botanischen Namen: Origanum dictamnus. Wobei der Artname kundtut, wo die Pflanze und in welcher Form sie gedeiht. ‚Díctamnus’ – ‚Strauch des Dikti-Gebirges’: "Dikti" = Berg + Gebirgszug in Kreta, „Thamnos“ (griechisch) = „Strauch“.
Erläuterung
In größeren Topf pflanzen
Portrait
„Díktamo“, wie diese Pflanze in Kreta meistens genannt wird, ist ein kleiner, bogig überhängender Strauch, der als Chasmophyt endemisch in den Felsspalten der Schluchten und Gebirgsflanken kretischer Gebirgszüge gedeiht, in den Lefka Ori - den "Weißen Bergen" (z. B. Diktamos-Schlucht), im Ida-Gebirge und im Dikti-Gebirge, von woher er laut griechischer Mythologie stammt: Die kretische Nymphe Diktynna schenkte ihn in ihrer Funktion als Schutzgöttin des Diktigebirges den Menschen.
Sowohl sein griechischer Name Díktamos als auch sein botanischer, Origanum dictamnus, greifen diese Tradition auf. - Aus diesem Grund führt WILDFIND diese wichtige griechische Pflanze unter ihrem griechischen, Identität stiftenden Namen „Diktamos“.
Diktamos wird von den Kretern und Kreterinnen seit Jahrtausenden als ihre wichtigste Heilpflanze, als ein Allheilmittel, geschätzt. Auch heute noch.
Dieses Wunderkraut der griechischen Antike ist noch immer heißbegehrt und wurde durch Wildsammlungen beinahe ausgerottet. Seit einiger Zeit aber wird es bei Emparos und rund um das Bergdorf Ano Viannos kultiviert und geerntet, sodass es nicht mehr im Dikti-Gebirge unter Lebensgefahr kletternd geholt werden muss. Außerhalb Kretas wird der Díktamo in England als "Dittany of Crete" in größerem Umfang kultiviert.
KULTIVIERUNG VON DIKTAMOS (Origanum dictamnus) IN MITTELEUROPA
Bei uns in Mitteleuropa bringt der Diktamos als unkomplizierte, attraktive Kübelpflanze mit seinen stark duftenden, rundlichen, weißfilzigen Blättern das ganze Jahr über Freude und Erntemöglichkeit. Während des Sommers schmückt er sich mit hopfenähnlichen Blütenkaskaden in Zartrosa, die ihn als Lippenblütler verraten. Überwintert wird er kühl und hell mit geringen Wassergaben. Er fühlt sich übrigens, gewohnt an die heimatliche Enge der Felsspalten, in einem Topf wohler als ausgepflanzt in einem Gewächshaus.
Ernte
Etwas beerntet kann der Diktamos das ganze Jahr über werden. Für Heilzwecke wird er sowohl frisch als auch getrocknet angewendet. Wobei er laut Theophrastos frisch stärker wirke. Er empfiehlt, die blühenden Zweige in den dicken Stängeln des Riesenfenchels oder des Riesenschilfs aufzubewahren, „damit sie ihre Eigenschaften nicht verlieren.“
Will man sich aber einen heilenden Vorrat anlegen, wird Díktamos zu Beginn seiner Blüte 5 – 10 cm oberhalb der Erde abgeschnitten. Die Heilkraft seiner weichen, molligen Blätter ist zur Zeit des Blühbeginns am größten! Die Blätter lassen sich sehr leicht trocknen, und die Pflanze treibt erneut buschig aus.
Vermehrung
Díktamos lässt sich während seiner Wachstumsphase leicht durch Stecklinge, die sogleich in die Erde gesteckt werden, oder durch Absenker vermehren.
DIKTAMOS ("Kreta-Majoran") IN DER KÜCHE
Diese Oregano-Art ist durch ihre weißwolligen, dicken Blätter, die sich getrocknet – im Unterschied zu Oregano, Wildem Dost und Majoran – nicht gut zerkleinern („zerriebeln“) lassen, nicht zum Würzen ausgestattet, sondern zum Heilen. Ausnahmen bilden das Mixen der getrockneten Blätter, z. B. zur Herstellung von Kräutersalz, das beide Komponenten, nämlich Würzen und Heilen, verbindet, und ihre Verwendung zur ergänzenden Aromatisierung von Essig und Aqua verde.
DIKTAMOS ALS HEILPFLANZE
Von alters her wird Origanum dictamnus (Díktamo) in vier großen Anwendungsbereichen eingesetzt:
- Wundheilung
- Entbindung
- Infektionen von Schleimhaut und Haut
- Anti-Aging
Möglich wird dieses breite Spektrum durch das vielfältige Zusammenwirken seiner Inhaltstoffe. Díktamos wirkt anitmikrobiell, wundheilend, hautpflegend, antiseptisch, entzündungshemmend, uteruskontrahierend, durchblutungsfördernd, antioxidativ, krebsvorbeugend, entspannend und auch belebend. ‚An einer Pflanze, die seit Jahrtausenden heilend verwendet wird, muss etwas "dran" sein!’
Heilend verwendet werden die Blätter:
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Blattbrei aus frischen Blättern als Kompresse.
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Frische oder getrocknete Blätter werden gekaut.
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Dekokt (Abkochung) (1 Esslöffel Blätter in 250 ml Wasser 10 Minuten sanft kochen) für Waschungen, Kompressen. Als Badezusatz die sechsfache Menge nehmen.
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Infus (Tee): Einen Esslöffel Blätter, wenn möglich – frische, mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Bis zu drei Tassen täglich trinken.
Illustrationen seiner WUNDHEILKRAFT:
Eine Legende, die anscheinend Aristoteles überlieferte, berichtet: Wenn die Wildziegen der Samariaschlucht von einem Jagdpfeil verletzt wurden, suchten sie Díktamo, fraßen ihn, kauten ihn auch und spuckten den Brei auf die Wunde, um das Gift und den Pfeil herauszutreiben. Die Wunden heilten problemlos ab.
Auch der griechischen Liebesgöttin „Aphrodite“ war die außerordentliche Heilkraft des Díktamos bekannt. Ihren Sohn Äneas, der aus ihrer Verbindung mit Anchises, einem wunderschönen Königssohn, stammte, heilte sie während des Trojanischen Krieges damit.
Dioskurides kurierte als griechischer Militärarzt die Kampfwunden der Soldaten und Gladiatoren mit Origanum dictamnus.
Mythologie im 21. Jh:
Die antiken Mythen über den Díktamos fanden Eingang in die Romanreihe „Harry Potter“. Origanum dictamnus wird hier unter der englischen Bezeichnung „Dittany“ als wundersam schnell wirkendes Wund-Heilkraut angewendet.
ARTEMIDEION, der Díktamo als Helfer in „FRAUENSACHEN“
Origanum díctamnus wird auf Kreta mit unterschiedlichen Trivialnamen bezeichnet. Einer davon ist „Artemideion“. Er ist auf „Artemis“, die Göttin der Geburt und des neuen Lebens, zurückzuführen. Laut Theophrastos, dem Lieblingsschüler des Aristoteles, sollen Auszüge von Díktamo mit Wasser oder Wein getrunken und / oder als Badezusatz Geburten erleichtern. Aphrodite selbst eilte, als sie in die Wehen kam, in das Dikti-Gebirge, um Diktamo zu sammeln und legte ihn sich als Breiumschlag auf den Unterbauch.
Díktamos wird auch heute noch getrunken, um Menstruationsbeschwerden zu lindern.
ERONTAS, der Díktamos als ANTI-AGING-PFLANZE
Mit „Erontas“ (ein weitere kretische Bezeichnung für den Díktamos) erhalten sich die Kreter und Kreterinnen ihre erotische Jugendlichkeit.
- Er wird dazu, mit Honig gesüßt, als Tee getrunken. Gerne auch gemischt mit Salbei und „Malotira“, dem „Kretischen Bergtee“ (Sideritis syriaca subsp. syriaca). Dieser ist nahe verwandt mit dem „Griechischem Bergtee“ ( Sideritis clandestina) der Peloponnes und kann als Ersatz genommen werden.
- Wildfindtipp: Kräuterwein "Erontas"
- Wildfindtipp: Kräuterwein "Erontas"
- Frauen wird der kretische Rat gegeben, sich ihre Brüste mit Oregano-Wasser zu waschen, um sie schön und fest zu erhalten. – „Aber die lügen ja, die Kreter!“, … sagt ein Kreter. - Falls doch Interesse an dem Oregano-Wasser bestehen sollte, sei hier das bei Antonis Albertis gefundene Rezept verraten: Man lässt eine Handvoll Oregano (gleich, welcher Art; Diktamos ist "natürlich" der beste ;) eine Nacht lang in einem Liter kalten Wasser einweichen und filtert es anschließend.
- Und noch ein kretischer Rat: Sollte jemand Anzeichen von Rheuma, Schwäche und Niedergeschlagenheit in sich fühlen, gibt es nichts Besseres als ein Bad mit Díktamosud. Schmerzlindernde Entspannung, neue Kraft und Aktivität werden sich einstellen!
- Wildfindtipp: Dem Bad 1 Tasse Meersalz dazugeben! Die belebende Wirkung wird dadurch verstärkt.
STOMATOHORTO, der Díktamos als „ PFLANZE FÜR MUND UND RACHEN “
"Stomatohorto" bezeichnet Einsatzgebiete, in denen diese Pflanze noch heute alltäglich angewendet wird. Sie betreffen Schleimhäute und Haut:
Entzündungen des Mund- und Rachenraumes: Kauen der Blätter, Gurgeln mit Díktamos-Dektot.
Störungen des Verdauungstraktes durch Bakterien oder Pilze, Magen-Darm-Infekte: Tee, als Aufguss (Infus) zubereitet, trinken oder Anwendung des Díktamos in Form einer selbst angesetzten Tinktur.
Zahnfleischentzündungen, Zahnschmerzen, Aphten: Kauen der Blätter, Gurgeln mit einer Díktamos-Abkochung (Dektot).
Erkältung (Vorbeugung und Linderung der Beschwerden), Halsschmerzen, Heiserkeit: Díktamos in Form von Infus(Teeaufguss) und Tinktur zu sich nehmen.
- Damit es erst gar nicht so weit kommt, stärkt man seine Immunkräfte, indem man es den KreterInnen nachmacht: Man lässt sich in der kalten, dunklen Jahreszeit täglich ein bis zwei Tassen Díktamo-Tee, gemischt mit Salbei, Griechischem Bergtee und Honig schmecken.
- Wildfindtipp: Diesen Tee im Winter abends als Entspannungstee mit Birkenzucker gesüßt genießen!
Entzündungen der Haut: Díktamos-Dekokt als Waschung und Kompresse anwenden.
Erntekalender
Im Knospenstadium Stängel 5 - 10 cm über der Erde abschneiden, Blätter und Knospenstand abstreifen und trocknen. Verwenden für Heiltees (wichtigstes kretisches Heilkraut!) und - wie Oregano - zum Würzen von Pikantem. Lässt sich über Absenker vermehren. Als Kübelpflanze hell und kühl überwintern. Wenig gießen.
Speisen- und Getränkedekoration.
Wichtig: Die folgenden Angaben stammen aus der Volksmedizin und Erfahrungsheilkunde. Sie beschreiben traditionelles Wissen, stellen keine medizinische Empfehlung dar und ersetzen keine ärztliche Beratung (Details). Teile der Beschreibungen werden KI-gestützt aufbereitet und redaktionell geprüft.
Traditionell beschriebene Eigenschaften
Inhaltsstoffe
Details zu den Inhaltsstoffen
Traditionelle Verwendung
Diese Angaben stammen aus Volksmedizin und Erfahrungsheilkunde. Sie beschreiben, wofür die Pflanze traditionell verwendet wurde — sie sind keine medizinische Empfehlung und ersetzen keinen Arztbesuch.
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