Tinkturen, Kräuterbitter u. -liköre, Grundrezepte
Als "Tinkturen" werden volksmedizinische und schulmedizinische Pflanzenauszüge mit hochprozentigem Alkohol bezeichnet. Auch der sogenannte "Heilschnaps" (Kräuterschnaps) zählt dazu.
:) Als erste Frage zur Zubereitung wird immer gestellt: Wie viel Prozent?? - Daran schließt sich nahtlos die zweite: Welche Sorte Alkohol? - Und dann kommt: Wie viel nimmst?
Hier die Antworten für die Zubereitung volksmedizinischer Tinkturen:
- Für Tinkturen aus Blättern und Blüten, die sich sowohl zum Einreiben als auch zum Einnehmen eignen, wird Obstler 45 % oder Doppelkorn, mindestens 38 %, verwendet.Lebensmittelläden , mitnehmen..
- Für Tinkturen aus Wurzeln, Samen und Rinden wird in der Regel Alkohol 46 % - 60 % verwendet.
- Für Tinkturen, die ausschließlich zum Einreiben verwendet werden, z.B. Arnikatinktur, Fichtentinktur aus Fichtennadeln und harzenden Fichtenzapfen, Tannentinktur aus Tannennadeln und harzenden Fichtenzapfen, Chilischnaps,.... die bei Rheuma-, Gelenks-, Rücken- oder Muskelschmerzen einmassiert werden, verwenden die Schnapsbrenner den sogenannten "Vorlauf", der zu Beginn des Schnapsbrennens anfällt und nicht getrunken werden darf; nicht wegen seines Alkoholgehalts (70% - 80%), sondern wegen seiner für die "innere Anwendung" giftigen Begleitalkohole!
- Feine Tinkturen zum Einnehmen und Einreiben werden auch mit Weingeist gemacht, der mit Wasser auf die gewünschten % eingestellt wird. (Weingeist entweder teuer in der Apotheke kaufen oder billig, wenn man die Autofahrt nicht rechnet ;) aus Italien mitnehmen, wo er unter dem Namen "Alcol Puro" in Lebensmittelläden gekauft werden kann.)
- Hintergrundwissen:
Nach Dr. Siegfried Bäumler ( "HEILPFLANZEN PRAXIS HEUTE", S. 44) werden je nach Alkoholgehalt unterschiedliche Wirkstoffgruppen gelöst:
Alkaloide bei 20 - 45 % Alkoholgehalt
Ätherische Öle bei 50 - 70 % Alkoholgehalt
Bitterstoffe bei 35 - 50 % Alkoholgehalt
Blausäurehaltige Glykoside bei 20 - 50 % Alkoholgehalt
Cumarine bei 30 - 50 % Alkoholgehalt
Flavonoide bei 35 - 50 % Alkoholgehalt
Gerbstoffe bei 35 - 65 % Alkoholgehalt
Herzwirksame Glykoside bei 20 - 50 % Alkoholgehalt
Saponine bei 20 - 35 % Alkoholgehalt
Scharfstoffe bei 35 - 50 % Alkoholgehalt
Schleimstoffe bei 18 - 30 % Alkoholgehalt - Geht es auch ohne Alkohol?
Alkoholfreie Alternative für Tinkturen, die eingenommen werden: 7 Teile pflanzliches Glycerin (= Glycerol) in Apothekenqualität (Infos hier bei PharmaWiki und ausführlich hier auf der englischen Wikipedia) + 3 Teile abgekochtes Wasser. Gut haltbar. - Grundregel zum Ansetzen von Tinkturen:
Man nimmt 1 Gewichtsteil getrocknete Pflanzen und 5 - 10 Teile Alkohol der gewünschten Stärke.
Zutaten
- 200.00 g getrocknete Pflanzenteile
- 1.00 Liter hochprozentiger Alkohol
- 1.00 Schraubglas
Zubereitung
Tinkturen sind in der Anwendung sehr praktisch! Sie werden bemerken, sie selbst zu machen ist wirklich keine Zauberei!
- 200.00 g getrocknete Pflanzenteile — oder 250 g angewelkte
- 1.00 Liter hochprozentiger Alkohol — mindestens 38 %; Korn, Wodka oder Selbstgebrannter.
- 1.00 Schraubglas
Zerkleinerte, eventuell gemörserte Pflanzenteile zusammen mit dem Alkohol in das Schraubglas füllen.
Etwas unsanft, aber möglich: Für eine schnelle und effektive Tinkturenherstellung werden die Pflanzenteile jetzt mit dem Alkohol fein gemixt. Die Ausziehzeit verkürzt sich dadurch auf 1 Woche.
Glas verschließen und dunkel (Ausnahmen: Arnika, Johanniskraut, Blutwurz sonnig stellen) bei Zimmertemperatur (20° - 25°) ein bis drei Wochen stehen lassen. Die Dauer hängt von der Auszugstemperatur, der Konsistenz und der Größe der Pflanzenteile ab: Je wärmer der Auszug erfolgt und je feiner zerkleinert (evtl. gemixt) das Pflanzenmaterial ist, desto kürzer ist die Auszugsdauer.
Täglich 1x gründlich schütteln, um die Wirkstoffe aus dem Pflanzenmaterial zu lösen.
Durch einen Kaffeefilter abfiltern und in Schraubflaschen füllen.
Beschriften: Inhalt, Datum
Dunkel lagern. Haltbarkeit der Heilkraft: bis zu 2 Jahre
Äußerlich:
Tinktur – oft mit Wasser verdünnt - auf die betroffene Körperstelle auftragen, einziehen lassen. Anschließend ein hautfreundliches Öl wie Ringelblumenöl, Johanniskrautöl, Pappelöl, Mandelöl darauf verteilen.
Innerlich:
Erwachsene: Täglich ein- bis dreimal 3 – 40 Tropfen Tinktur, verdünnt mit etwas Wasser, 30 Minuten vor dem Essen langsam trinken, dabei den gesamten Mundraum benetzen.
Kinder zwischen zwei und zehn Jahren: Täglich 3mal 1 Tropfen.
- Nach ärztlicher Rücksprache bei akuten Beschwerden wie Husten, Halsschmerzen, Durchfall usw. soll die jeweilige Tinktur, z.B. Blutwurztinktur, Alanttinktur, Kamillentinktur, Tinktur aus Wurzeln der Bibernelle, Ringelblumentinktur, Mädesüßtinktur, Schafgarbentinktur, Meisterwurztinktur, Baldriantinktur ... eingenommen werden, bis die Symptome verschwinden,
- bei chronischen Beschwerden (z.B. Nervosität, leichte Formen von Depression, Herzschwäche. Arteriosklerosevorbeugung…) 3 Monate lang. Nach einer dreiwöchigen Pause kann die Einnahme gegebenenfalls fortgesetzt werden. Bitte beachten Sie die Angaben bei den einzelnen Wildfind-Tinkturen-Rezepten!
Variationen (1)
GRUNDREZEPT für KRÄUTERBITTER und HEILSCHNÄPSE:
Das Glas zu einem Drittel mit dem Ansatzgut füllen, mit Korn 38% auffüllen, 1 - 3 Wochen dunkel gestellt reifen lassen, öfters schütteln, danach abfiltern, kosten, nachreifen lassen. Flasche mit Inhalt und Datum beschriften.
- Ausnahme: Angesetzter Enzianschnaps: 1 Esslöffel Enzianwurzel auf 1 Liter Obstschnaps 3 Tage ziehen lassen.
GRUNDREZEPT für KRÄUTERLIKÖR:
Wie KRÄUTERSCHNAPS, jedoch zu den Pflanzen nach Belieben eine Süßungsmittel wie Kandiszucker oder Honig, Zuckersirup, Birkenzucker, Ahornsirup, Traubenzucker oder Glycerin aus der Apotheke dazugeben.