Flechtenbrot, Moosbrot
Josef C. Bayrhammer kreierte für die arme Bevölkerung des gebirgigen Mitteleuropas ein nahrhaftes Flechtenbrot bzw. Moosbrot, das billiger als Roggenbrot war. Für ihn war auch der Brotgeschmack sehr wichtig, wie er 1818 in seiner Broschüre „Practische Anweisung zum Gebrauche der Isländischen Flechten als Ergänzungsmittel des Brodkorns“ immer wieder bemerkte. Sein Bestreben war, ein Hausbrot zu entwickeln, das
- den Menschen sättigt,
- billiger als Roggenbrot ist,
- gut schmeckt und deshalb „nicht allein für die Zeit der Noth, sondern auch für immer als Nahrungmittel“ dient,
- den Völkern der Nordländer und der Berge durch die Verwendung heimischer Pflanzen weitgehende Unabhängigkeit von der Einfuhr des Weizens bietet.
Sein Brot ging auch in den Verkauf und fand eine Zeit lang sehr guten Absatz. Doch die Zeiten änderten (besserten?) sich, und das Flechtenbrot geriet weitgehend in Vergessenheit.
Würde man es heute wieder in den Verkauf bringen, vielleicht als Brot mit besonders gesunden Ballaststoffen, wäre es höchstwahrscheinlich nicht mehr billiger als Roggenbrot, denn der Weg von der Flechte aus der Natur bis in den Mehlsack benötigt Handarbeit und Zeit, Ressourcen, die früher billig zu haben waren, aber heute nicht mehr.
Unser WILDFIND-FLECHTENBROT bzw. MOOSBROT ist in Anlehnung an die Anweisungen von Bayrhammer entstanden.
Entstanden ist ein wunderbares Flechtenbrot für den Hausgebrauch, das überhaupt nicht bitter schmeckt, sondern brotig - mit einem Hauch Champignon! Frisch aus dem Backofen besitzt es eine rissige, feste Kruste, die leise kracht, wenn man darauf drückt. Der Brotkörper selbst ist weich und von einer leichten Feuchte, die von der wasserspeichernden Flechte, dem Isländischen Moos, herrührt.
Die Flechtenbrötchen werden gleich verspeist, der Wecken am nächsten Tag. Die Brotkruste ist dann weich und der Wecken lässt sich gut schneiden. Eine Woche lang bleibt das verdauungsfreundliche Moosbrot, auch dank der Verwendung von Sauerteig, frisch und bietet täglich schmackhafte Freude!
Wie aber komme ich an Isländisches Moos?
Hier ist nachzulesen,
- wo man es in der Natur findet,
- wie man es sammelt.
- Wer es jedoch nicht selbst in „Hochländern“ (Bayrhammer) ernten kann oder nicht darf, dem bleibt der Gang in die Apotheke. Sein Brot wird dann allerdings nicht preisgünstiger als pures Roggenbrot sein, aber das Vergnügen ist es mehr als wert!
Ist das Backen eines Flechtenbrotes schwierig?
Die Zubereitung von Flechtenbrot bzw. Moosbrot, wie es aufgrund der Verwendung von Isländischem Moos gleich bezeichnet wird wie Brot, das mit Torfmoos gebacken wird, ist an und für sich einfach, jedoch sind 3 Schritte wichtig:
- Flechten bereits bei der Ernte grob zerkleinern und dabei trocken von Fremdkörpern befreien.
- Die Flechten werden vor ihrer Verwendung als Mehlersatz entbittert. Gleichzeitig werden sie bei diesem Vorgang auch gewaschen.
- Die möglichst fein zerkleinerten Flechten werden gekocht und mitsamt dem Kochwasser dem Vorteig untergemengt.
Zutaten
- 100.00 g Islandmoos-Flechten
- 350.00 g Roggenmehl
- 50.00 g Gerstenmehl
- 100.00 g Dinkelvollkornmehl
- 100.00 g Roggensauerteig
- 1.00 Würfel Germ (Frischhefe)
- 1.00 Prise Salz
- 1.00 TL Kümmel
Zubereitung
- 100.00 g Islandmoos-Flechten — getrocknete, gereinigte. Info: Sie werden nach dem Backen 300 g ausmachen, da sie Wasser saugen und halten.
- 350.00 g Roggenmehl
- 50.00 g Gerstenmehl — Alternative: Roggen oder Dinkel
- 100.00 g Dinkelvollkornmehl — Alternativen: Roggen oder fein zerdrückte, gekochte Kartoffeln.
- 100.00 g Roggensauerteig — wie Sauerteig vermehrt werden kann, finden Sie hier. selbst machen selbst machen
- 1.00 Würfel Germ (Frischhefe) — = 42 g. Alternative: 14 g Trockenhefe (= 2 Sackerl). Das Brot gelingt auch ohne Hefe, die sich früher nicht jeder kaufen konnte. Der geformte Teigling muss jedoch länger gären und bleibt etwas niedriger.
- 1.00 Prise Salz
- 1.00 TL Kümmel — oder Wiesenkümmel
Flechten möglichst kleinschneiden und entbittern. WILDFIND hat – wie die Samen – einfach mittels heißem Wasser entbittert:
- Flechten - wie üblicherweise Nudeln - in reichliches, bereits kochendes Wasser geben. 3 Minuten sanft kochen, dabei gut durchrühren, damit sich der Sand aus den Flechtenfalten löst.
- Flechten abseihen und die Prozedur noch einmal wiederholen.
Nun die nassen, entbitterten Flechten mit so viel kaltem (!) Wasser vermengen, dass das Gemenge 1200 g wiegt, also 12x mehr als die trockenen Flechten.
In einem Topf erneut zum Kochen bringen. Anschließend 10 Minuten kochen, Gemenge mixen, wieder 10 Minuten kochen, dabei gelegentlich durchrühren. Die Flechten beginnen, schleimig zu werden. Auf Handwärme abkühlen lassen.
Flechtenschleim mit 150 g Roggenmehl und dem Sauerteig verrühren und zugedeckt an einem warmen Ort (25° – 30°) ca. 8 Stunden gären lassen.
Hefe unterrühren.
Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben, restliches Mehl, Salz und Kümmel unterkneten. Mit den Handballen kneten. Der Teig sollte nicht zu weich gehalten werden. Eventuell muss nach Gefühl etwas Dinkelmehl zugegeben werden.
Den Teig, er ist ca. eineinhalb Kilogramm schwer, zu einer Kugel formen, mit Roggenmehl bestäuben und zugedeckt an einem warmen Ort gären lassen: mit Hefe 1 Stunde – ohne Hefe 3 Stunden.
Teig kurz durchkneten und mit Roggenmehl bestäuben.
- Mit bemehlten Händen aus einem Drittel des Teiges einen Wecken formen,
- aus den verbliebenen zwei Dritteln eine ca. 5 cm dicke Rolle, die in 10 Brötchen geschnitten wird. Sie werden ohne weiteres Kneten auf ein mit Backpapier belegtes Backblech gelegt, und zwar mit einer Schnittfläche nach unten.
Alle Teiglinge mit Roggenmehl bestäuben und, bedeckt mit einem Geschirrtuch, gehen / gären lassen, bis sie sich sichtlich vergrößert haben.
Im auf 180° (Umluft) vorgeheizten Backofen backen: Brötchen ca. 35 Minuten, Brot 55.